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Dostum: Machte sich durch seine Frontwechsel einen Namen 

Nach dem Tod von Ahmed Shah Massud war oft der Name des usbekischen Generals Abdul Raschid Dostum genannt worden, wenn über einen möglichen Nachfolger für den ermordeten militärischen Führer der Nordallianz spekuliert wurde. Dostum, dessen Name mit "jedermanns Freund" zu übersetzen ist, hatte sich bis dahin vor allem durch seine Frontwechsel einen Namen gemacht. Auch sein Name - ursprünglich nur ein ihm zugewiesener Spitzname - hat hier seine Wurzel.

Waffenbruder der sowjetischen Besatzer
Der heute 46-jährige Dostum ist Afghane usbekischer Nationalität. Obwohl er nur eine Volksschule besuchte und in seinen jungen Jahren lediglich als Wachmann arbeitete, gewann er in den 80er Jahren schnell die Position eines Divisionsgenerals. Mehr als ein Jahrzehnt diente er mit seinen Truppen an der Seite der Sowjetarmee und der mit ihr verbündeten afghanischen Regierungen.
Dostum war bei seinen Soldaten beliebt - wohl auch, weil er ihnen freie Hand ließ, wenn es ums Plündern ging. Erst als Dostum 1992 die Fronten wechselte und mit seinen Soldaten der Nadschibullah-Regierung die Nachschubwege abschnitt, brach diese Regierung zusammen. Gemeinsam mit seinem neuen Verbündeten Massud hinderte Dostum die Einheiten des Extremisten Hekmatyar am Einmarsch in Kabul. Für die Bevölkerung von Kabul blieb es allerdings ein zweifelhaftes Vergnügen, denn Dostums Truppen plünderten die Stadt, während Hekmatyars Einheiten die Hauptstadt einem Bombardement aussetzten.

Nach innerer Revolte von den Taliban vertrieben
Auch das Verhältnis Dostum-Massud blieb nicht ungetrübt. Nach inneren Auseinandersetzungen, die mit Waffengewalt ausgetragen wurden, zog sich Dostum in den Nordwesten des Landes zurück, wo er um Mazar-i Sharif ein größeres Stück Afghanistans bis zum Ende der 90er Jahre gegen alle Konkurrenten verteidigte. Zeitweilig arbeitete Dostum jetzt auch mit Hekmatyar zusammen. Sie bildeten dazu den Koordinierungsrat "Schuraj-e Hamahhangi", in den Dostum seine Jonbesh-"Partei" einbrachte.Erst die Taliban gefährdeten ernsthaft Dostums Militärgouvernement, in dem religiöse Fragen wenig Einfluss auf den Alltag hatten. 1997 nahmen die Taliban erstmals die Millionenstadt Mazar-i Sharif ein, wo vor allem hunderttausende Flüchtlinge ihr Unterkommen gefunden hatten. Möglich wurde das durch eine innere Rebellion bei den Usbekenmilizien, die Abdul Malik Pahlewan angeführt hatte. Die Taliban konnten sich aber nicht dauerhaft festsetzen und wurden nach wenigen Tagen von Malik Pahlewan wieder zurückgeschlagen.

Comeback von Dostum?
Im Sommer 1998 kehrten die Taliban wieder nach Mazar-i Sharif zurück und drängten die zersprengten Usbekenmilizien weitgehend aus dem Land. Vorangegangen waren dem erneute Kämpfe zwischen verschiedenen Taliban-Gegnern. Auch Dostum soll sich seither in der Türkei aufgehalten haben.Dostum tauchte erst nach der Ermordung Massuds wieder auf. Einige Beobachter argwöhnen sogar, dass gar nicht die Taliban, sondern Dostum bei dem Anschlag auf Massud seinen Finger im Spiel gehabt haben könnte. Belege gibt es für diese Mutmaßung nicht.Nach den militärischen Erfolgen der Anti-Taliban-Kräfte machte Dostum mit den von ihm in seine Gewalt gebrachten Gegnern kurzen Prozess. Nach dem Petersberger Treffen gab Dostum an, dass die Usbeken bei der Postenverteilung zu kurz gekommen seien. Er drohte jetzt damit, die neue Regierung zu boykottieren. Kurz entschlossen nahm ihn daraufhin der neue Regierungschef Karsai in sein Kabinett auf. Dieser Posten hat aber nicht verhindern können, dass sich im Februar 2002 die Truppen Dostums mit denen von der Nordallianz unter Fahim schon wieder blutige Duelle lieferten. Besonders bemerkenswert daran ist, dass Fahim das Amt des Verteidigungsministers bekleidet. Dostum ist formal sein Stellvertreter.

19.02.2002
Quelle: mdr.de

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