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Dr. M. Amin Wakman wurde am 1. November 1939 in der Provinz Wardak/ Maidan geboren. Sein Vater war ein Offizier der afghanischen Streitkräfte und nahm 1919 an dem Krieg für die Unabhängigkeit gegen die britische Bevormundung teil. Wakman besuchte die Grundschule in seinem Heimatort Maidan. Anschließend besuchte er die Handelsschule in Kabul. Nach dem Abitur arbeitete er für eine Weile für die UN-Mission in Kabul. 1964 schloss er sein Journalismusstudium an der Universität Kabul ab. 1965 leistete er als Reservist der afghanischen Armee den Militärdienst. Er promovierte an der Jawaherlal Nehru University und erwarb den Dr.phil. für Internationale Beziehungen.

Er ist Autor von über 600 Zeitungsartikeln in Pashto-Dari und Englisch sowie Verfasser von drei Büchern:

1. Sozialdemokratie (Pashto)

2. Afghanistan at the Crossroads

3. Afghanistan-Nonalignment and the Super Powers

Er nahm am 08.03.1966 an der Gründung der Afghanischen Sozialdemokratischen Partei teil.
1966 arbeitete er als Protokollchef im Ministerium für Information und Kultur. Um ihn von seinen politischen Aktivitäten fernzuhalten, wurde er als Mitarbeiter der Pashtodient des Radio Ankara in die Türkei geschickt, was einer Art Exil gleichkam . Nach seiner Rückkehr aus der Türkei arbeitete er als Direktor der Kultur und Informationsabteilung sowie als Chefredakteur der Tageszeitung Diwa. Er schrieb 1974 einen kritischen Brief an den Präsidenten Daud und machte ihn auf die Einmischung der Sowjetunion in die Angelegenheiten der nördlichen Provinzen Afghanistans aufmerksam.

Kurze Zeit später wurde er seines Postens enthoben und als Mitarbeiter des Pashtodienstes des All India Radio nach Indien erneut ins Exil geschickt.
Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten am 27.04.1978 trat er als Regierungsbeamter von seinem Posten zurück und konzentrierte sich im indischen Exil auf die politische Arbeit gegen die Kommunisten.
Während die gesamte Parteiführung verhaftet oder liquidiert wurde, wurde Wakman im pakistanischen Exil zum Generalsekretär der Afghanischen Sozialdemokratischen Partei gewählt. 1984 übernahm er das Amt des Parteivorsitzenden und 1988 wurde er wiedergewählt.

Als Generalsekretär und später als Parteivorsitzender nahm er an den Kongressen der sozialistischen Internationalen von 1980, 1984, 1988, 1992, 1997 in Madrid, Portugal, Berlin und New York teil. Er reiste in mehr als 30 Staaten, um für eine politische Lösung des Afghanistan-Konflikts zu werben. 1995 trat er als Parteivorsitzender zurück, um einen Generationswechsel in der Parteiführung zu ermöglichen. Das ist der erste Rücktritt in der Geschichte der afghanischen Parteien, der mit Händedruck und nicht mit Gewehr vollzogen wurde.

 

„Manche Führer fallen vom Himmel"
Karsai-Kritiker Wakman über Zufälle und politische „Ethnisierung" in Afghanistan

Gudrun Harrer

Wien - Für Mohammad Amin Wakman (62) von der Sozial­demokratischen Partei Afgha­nistans war weder unter den Kommunisten noch unter den Islamisten Platz in seiner Heimat. Die jetzige Lage Af­ghanistans unter der Interims­regierung von Hamid Karsai sieht der gelernte Journalist, der soeben Exkönig Zahir Shah in Rom besucht hat, im Gespräch mit dem standard ziemlich kritisch. Das Bonner Petersberg-Abkommen werde nicht in letzter Konsequenz eingehalten, beklagt er, es sei­en noch immer zu viele „Rabbani-Leute" unterwegs. Die ehemalige Nordallianz gebe die Macht nur zögernd ab, und wichtige Posten seien an „schmutzige Leute" gegangen. Dass die Grenzen fließend sind, haben aber zuletzt die jüngsten Vorfälle in Gardes klar gezeigt. Der zumindest vorübergehend vertriebene Gouverneur Padshah Khan Zadran war zwar von Karsai eingesetzt, umso skandalöser ist es dann aber, dass er als Mann der Regierung nicht ge­zögert hat, das Zentrum der „rebellischen" Stadt, die ihn nicht wollte, erbarmungslos zusammenschießen zu lassen.
Da sind sie wieder, die alten Muster. Seinen Widersacher beschuldigt Zadran der Pa­ckelei mit den Taliban, dabei steht dieser ebenfalls der Nordallianz nahe.
Als völlig falsch in der afghanischen Geschichte neueren Datums sieht Wakman die Ethnisierung der Politik, die zum Missbrauch einlade, weil das Kriterium der Qualifikation zugunsten der Stammesangehörigkeit in den Hintergrund gedrängt werde.Dem Interimspremier Karsai steht der Sozialdemokrat höflich skeptisch gegenüber, manche Führer werden gewählt, man­che erwählt, und manche fal­len einfach vom Himmel, meint er kryptisch. Jedenfalls sei die Berufung Karsais als Paschtunenführer etwas eher Neues, früher war er in erster Linie ein reicher Mann, der in Quetta groß Hof hielt.

Dem Versprechen Karsais, keine politischen Ambition für die Zeit nach der Interimsregie­rung zu haben, steht Wakman positiv gegenüberKarsai ist bei weitem nicht bei allen Exilafghanen - also solchen, die nichts mit den Taliban zu tun hatten - unum­stritten, wenig überraschend stammen sie eher aus dem lin­ken Lager. Karsai gilt ihnen als den Amerikanern zu offen­sichtlich ergeben (was seine Haltung zu den afghanischen Häftlingen in Guantanamo zu bestätigen scheint: Er denkt offensichtlich nicht daran, de­ren Rechte gemäß dem Völker­recht von den USA einzu­mahnen). Kritisiert wird au­ßerdem, dass er die US-Füh­rung nicht energischer auffor­dert, bei ihrem Kampf gegen verbliebene Taliban- und Al-Qa'ida-Kämpfer mehr Rücksieht auf die Zivilbevölkerung ] zu nehmen, die Opferbilanz wird langsam peinlich. Und so mancher Afghane macht sich lustig über das Ethnodress des „bestangezogenen Mannes der Welt", wozu der nicht uneitle Karsai jüngst von Gucci gekürt wurde: Usbeken-Mantel zu westlichem Anzug.

Erschienen in: DER STANDARD, Österreichs unabhängige Tageszeitung, Mittwoch, 6 Februar 2002

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