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Dipl. Ing. Ghulam M. Farhad wurde 1901 in der Provinz Wardak Bezirk Maidan geboren. Seine Familie kam 1915 nach Kabul, wo er die Habibia Schule besuchte. Er war einer der ersten Schülern, die 1921 von König Amanullah zum Studium nach Deutschland geschickt wurde. Er studierte an der Technischen Universität München Elektrotechnik. Nach seiner Rückkehr nach Afghanistan 1928 arbeitete er als Lehrer an der Amani Gymnasium (Deutsche Schule ) in Kabul. Gleichzeitig leitete er die elektrotechnische Abteilung einer staatlichen Fabrik.

Er war einer der Afghanen, die auf Intensivierung der deutsch-afghanischen Beziehungen großen Wert legte und war einer der Architekten der deutsch-afghanischen Zusammenarbeit.
1934 kam er erneut nach Deutschland, um Turbinen für den Staudamm von Chake-Wardak zu kaufen. Er war Gründer und Präsident der Afghan Electric Company.

1939 hat er einen zweiten afghanischen Staudamm (Serobi) mit deutschen Turbinen ausgerüstet.
1948 übernahm er sein Amt als erster gewählter Bürgermeister von Kabul. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister hat er den Grundstein für eine moderne Stadt gelegt.
Er baute Straßen und ersetzte das britische Verkehrssystem und führte das international übliche Verkehrssystem ein. Er installierte die ersten Verkehrsampeln in Afghanistan.
Seine Tätigkeit als Bürgermeister von Kabul gab er 1954 auf und konzentrierte sich auf die Arbeit der Afghan Electric Company.

1955 war Farhad Mitglied der traditionellen Versammlung (Loya Djergah), um die neue demokratische Verfassung Afghanistans zu diskutieren. 1966 gründete er gemeinsam mit 62 anderen Afghanen die Afghanische Sozialdemokratische Partei (ASDP). 1966 wurde er zum Abgeordneten des Nationalrates gewählt. 1970 legte er aus Protest gegen die nicht effektive Arbeit des Parlamentes sein Mandat nieder. Am 14. Oktober 1979 wurde er in Kabul von den Kommunisten verhaftet. Er wurde 1980 aus der politischen Haft entlassen. Er starb am 6. Oktober 1984 in Kabul.


„Papa Gulam" -ein afghanisches Schicksal
Dr. Hans Walter Berg, Nov.1979

Vor einigen Wochen wurde aus der afghanischen Hauptstadt gemeldet, dass der frühere Oberbürgermeister von Kabul, Gulam Mohamed Farhad, verhaftet worden sei, weil er als Haupt einer von Ausland unterstützten Verschwörung rechtsgesinnter Nationalisten einen Putsch gegen das Regime des gegenwärtiger Machthabers Hafizullah Amin vorbereitet habe. Aus diplomatischen Kreisen in Kabul verlautet der eigentliche Grund für die Verhaftung Farhads sei gewesen, dass er sich geweigert habe, mit dem Regierungs-Komitee zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung zusammenzuarbeiten. Nachdem sich hinter Farhad die Gefängnistore geschlossen haben, hat niemand wieder von ihm gehört, und da politische Gefangene heute in Afghanistan ohne Gerichtsverfahren in Haft gehalten oder exekutiert werden, kann man kaum mit einer Klärung der gegen den ehemaligen Oberbürgermeister erhobenen Vorwürfe und Anklagen rechnen»

Der 76-jährige Gulam Mohamed Farhad, der nach dem 1. Weltkrieg in München zum Diplomingenieur ausgebildet wurde, war und ist eine legendere Figur der afghanischen Politik. Seine Lebensspanne umfasst ein dreiviertel Jahrhundert stürmischer Geschichte des zentralasiatischen Berglandes, die Regierungszeit des reformfreudigen und deutschfreundlichen Königs Amanullah dessen gewaltsamen Sturz und die blutige islamische Gegenreformation unter Batsche Saquau", dem „Sohn des Wasserträgers", die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie, ihre Umwandlung in eine "Islamische Republik" und schließlich die Proklamation der kommunistischen "Volksrepublik".

In allen Phasen außer der letzten hat Farhad das Schicksal seines Volkes mit gestaltet, als Oberbürgermeister der Hauptstadt, der Kabul in den 50 Jahren aus einem großen Lehmhüttendorf in eine moderne Metropole zu verwandeln begann als Generalpräsident der ersten afghanischen Elektrizitätsgesellschaft, die mit der Elektrifizierung des Landes die Grundlagen für den Aufbau einer eigenen Kleinindustrie schuf, als Führer der Sozialdemokratischen-Partei und Parlamentabgeordneter, der so entschieden die Interessen des Volkes vertrat, dass er schon früheren Regierungen unbequem wurde.

In all seinem Funktionen hat sich Farhad als unbestechlicher kompromisslos ehrlicher und tapferer Patriot erwiesen, als ein Reformator, der immer den technischen mit dem sozialen Fortschritt verbinden wollte und der sich bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber westlichen Gedankengut eine tiefe islamische Frömmigkeit bewahrte

Seine ungewöhnliche Popularität verdankte der allgemein als "Papa Gulam" bekannte Politiker seiner väterlichen Fürsorge für seine Mitmenschen. Er selber lebte in ,den bescheidensten Verhältnissen gab. Neunzehntel seines Einkommens für die Bedürftigen aus, gönnte sich als Dienstfahrzeug des Oberbürgermeisters und Generalpräsidenten nur ein Fahrrad und meistens zu Fuß ins Rathaus.

Er war stets auch für die ärmsten seiner Landsleute zu sprechen und wurde von Ihnen wegen seiner tausendfach bewiesenen Hilfsbereitschaft wie ein Heiliger verehrt. Auch die neuen kommunistischen Machthaber Afghanistans behaupten, sie wollten nichts anders, als die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beenden, aber von ihnen wagt keiner zu Fuß die Straßen Kabul zu gehen, sondern sie trauen sich nur unter schwersten militärischen Schutz an die Öffentlichkeit. Sie wissen, wie sehr sie vom Volk gehasst worden, und vielleicht haben sie deshalb in dem krampfhaften Bemühen um eine breiten Basis versucht, die Unterschrift eines so populären Mannes wie "Papa Gulam“ unter die neue Verfassung zu erhalten. Damit hätte man zugleich der Gefahr begegnen können, dass Gulam Mohamed Farhad zu einer nationalen Führungsfigur geworden wäre, die den aufständischen moslemischen Befreiungskämpfern bis heute fehlt. Als der greise standhafte Politiker der Amin-Regierung die Zusammenarbeit verweigerte, erklärte man ihn kurzerhand zum "Verräter" und ließ ihn wie viele tausend andere afghanische Patrioten im Gefängnis verschwinden.

Als ich "Papa Gulam" zum letzten Mal traf nach dem kommunistischen Putsch im April 1978 - hatte er sich längst aus der aktiven Politik zurückgezogen und lebte in einem kleinen Häuschen der Altstadt. Er sagte: "Ich habe seit meines Lebens unter Politik immer nur Hilfe für den Menschen verstanden und dabei auf den lieben Herrgott vertraut. Die gottlosen Unmenschen, die jetzt in Kabul regieren, werden bestimmt nicht die Hilfe des Allmächtigen erhalten". Stattdessen kann sich die Amin-Regierung vorläufig noch auf die Hilfe der Sowjetunion verlassen, aber ob das ausreicht, die gottesfürchtigen, stolzen und freiheitsliebenden Afghanen in gehorsame Untertanen einer kommunistischen Diktatur zu verwandeln, muss bezweifelt werden. Männer wie "Papa Gulam" gehen nicht in die Knie, sondern sterben lieber erhobenen Hauptes.

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