- eine zweite Chance für einen gescheiterten Übergangspräsidenten? 
Said Hazrat Sibghatullah Mojaddedi (auch: Mujaddidi) gehörte zu jenen, die Ende 2001 als möglicher Chef einer Übergangsregierung in Afghanistan genannt wurden. Mojaddedi gehört zu den altgedienten Politikern Afghanistans. Als Vorsitzender eines Übergangsrates war er 1992, unmittelbar nach dem Sturz der linksgerichteten Nadschibullah-Regierung, sogar schon einmal provisorischer Staatschef des "Islamischen Staates Afghanistan".
Gegner einer Verwestlichung Afghanistans
Von seinen grundsätzlichen Ansichten her unterscheidet sich der heute 76-jährige Mojaddedi kaum von den anderen heute einflussreichen politischen Führern Afghanistans. Schon zu Zeiten des Königs bekämpfte er aktiv die "Verwestlichung" seines Landes. Eine Verhaftung im Jahre 1959 wurde sogar mit einem Putschversuch gegen den damaligen König Zahir Shah und mit der versuchten Ermordung des damaligen sowjetischen Parteichefs Chruschtschow begründet. Nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1973 emigrierte Mojaddedi nach Dänemark, wo er in Kopenhagen das Islamische Zentrum leitete.
1992 Übergangsstaatschef ohne Macht
Die Machtergreifung durch prosowjetische Kräfte bewog Mojaddedi 1978/79 zur Rückkehr nach Pakistan. Hier gründete er die "Jebha't-e Neja't-e Melli'-e Afghan" (Nationale Befreiungsfront), die hauptsächlich politisch wirkte. Mojaddedi war daher auch nicht an den bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb der heterogenen Opposition beteiligt. Er bot sich deshalb als Integrationsfigur an, als die Mudschaheddin 1992 die Macht in Afghanistan eroberten.
Ihm fehlte als Übergangsstaatschef jetzt aber auch die militärische Unterstützung, um in der erwarteten Weise integrierend zu wirken. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger Rabbani blieb er aber zumindest Verabredungen treu und gab die präsidiale Gewalt sogar vorfristig weiter.
Frühzeitig ging Mojaddedi wieder ins Exil. Im pakistanischen Peschawar befand sich sein wichtigster Stützpunkt, wo er mit seinen Getreuen unter vergleichsweise feudalen Verhältnissen von der Rückkehr an die Macht träumte. Reisen führten ihn auch nach Europa, darunter in die Bundesrepublik. Aus dem Exil heraus versuchte er mit seiner sich hauptsächlich auf Exilanten stützenden "Jebha't-e Neja't-e Melli'-e Afghan" politisch im Gespräch zu bleiben.
Anzeichen dafür, dass er inzwischen im Lande einen solchen Einfluss gewonnen hat, dass er sich gegen die zahlreichen Warlords durchsetzen könnte, gibt es nicht. Mojadeddi hatte sich in der letzten Zeit gegen die US-amerikanischen Bombenangriffe ausgesprochen, da sie sich gegen die Zivilbevölkerung richten würden.
Mojaddedi hatte in den 40-er und 50-er Jahren in Kairo Arabisch und Islamisches Recht studiert. Nach seiner Rückkehr nach Afghanistan arbeitete Mojaddedi an einer Lehrerbildungsstätte und schließlich als Professor für Islamisches Recht an Institut für höhere islamische Studien Kabul. Seine Vorfahren stammen aus Indien. Einfluss besitzt Mojaddedi eher unter der pashtunischen Bevölkerung. 03.12.2001
Quelle: mdr.de
















