Die Felsenfrau von Chak-e-Wardak
Die unermüdlichen Bemühungen einer deutschen Krankenschwester im Reich der Taliban
Manchmal braucht man gar nicht viel um Menschen zu helfen ein Esel und ein Bruder genügen, wenn Karla Schefter von Ihren Erlebnissen in Afghanistan erzählt, taucht Sie in eine für uns kaum vorstellbare fremde Welt unter. Als Karla in Afghanistan begann zu helfen, reiste Sie mit einem Esel und einem jungen Afghanen den sie ihren Bruder nannte von Dorf zu Dorf, um Menschen zu helfen die von jeglicher medizinischer Versorgung abgeschlossen waren.
Frau Schefter: “ Der Laborant Fazl-Rahi , dass war mein kleiner afghanischer Bruder mit ihm bin ich sehr viel in Kriegsfahrten gerreist.Das Transportmittel ist der Esel und die Afghanische-Ambulanz ist der Esel. Man muss eben dementsprechend die Patienten auf einem Esel transportieren zum Krankenhaus bringen. Das ist das Haupttransportmittel auch wenn es manchmal über Stunden geht.“
Den Kriegsgeschundenen fehlte es an grundlegenden Dingen und Karla Schefter half mit allem aus. Von Tabletten bis kleine Operationen oder Geburtshilfe, die OP- Krankenschwester half wo immer sie konnte. Karla Schefter wurde in Ostpreußen geboren und machte damals eine Ausbildung zur OP-Krankenschwester und arbeitete in verschiedenen Ländern. Nach Afghanistan, erzählt Karla, kam Sie per Zufall, nachdem Sie eine Annonce in einer Fachzeitschrift gelesen hatte, dass man jemanden für Afghanistan sucht. Die Stelle war für ein Jahr vorgesehen. Aus einem sind schließlich zwanzig geworden. Es brauchte nicht lange, bevor sie beschloss ein Krankenhaus für die Menschen dieser Region zu bauen, denn nur der Ambulante Eseltransport war nicht ausreichend um den mehr als 70.000 Menschen dieser Gegend wirksam zu helfen. So begann sie zwei heruntergekommene Räume dürftig eingerichtet, in einen Hospital umzufunktionieren. Die Taliban-Machthaber in Chak beobachteten Ihre Anstrengungen zunächst mit einem skeptischen Auge, doch die energische und standhafte Karla schaffte es selbst den Taliban Regeln aufzustellen, so durften diese z.B. bewaffnet nicht ihr Krankenhaus betreten und setzte ein Ausbildungsrecht für Mädchen durch so werden in dem Krankenhaus Hebammen und Krankenschwester ausgebildet.
Mit Hilfe der EU und Zustimmung der lokalen Jirga (Ratsversammlung) konnte das das Krankenhaus neu aufgebaut werden und im Juni 1991 stand ein modernes Krankenhaus bereit. Das Krankenhaus besitzt einen voll funktionsfähigen Operationsaal, eine Röntgenabteilung, EKG, ein hochmodernes Ultraschallgerät, ein gut ausgestattetes Labor mit mehreren Laboranten, eine Apotheke, eine Physiotherapie-Abteilung ein regionales Impfzentrum mit drei Impfassistenten betrieben vom schwedischen Komitee für Afghanistan. Im Jahre 2003 konnte das Krankenhaus mit seiner Arbeit beginnen.
Frau Schefter: „Wir haben im Sommer manchmal bis 8000 Ambulante Patienten und 900 Stationäre und das sind hauptsächlich Durchfall Krankheiten das ist viel Typhus einmal hatten wir auch Cholera und das trifft und dann Amübierses das ist die blutige Ruhr also hauptsächlich Durchfallkrankheiten und das trifft hauptsächlich Kinder weil man Klein Kinder nicht beibringen kann das sie nicht alles was am Boden liegt in den Mund stecken das ist die Hauptursache der Kindersterblichkeit ausserdem haben wir aber auch wir sind kein Malariazentrum das ist Hauptsächlich in Khost oder Jalalabad aber auch wir haben Malaria. Sehr viel Apuplex das ist Hirnschlag Schlaganfall und dann alle übrigen Krankheiten also es gibt auch Diabetis an Verletzungen haben wir auch Kriegsverletzungen aber nicht nur es gibt auch die in anführungsstrichen die normalen Verletzungen die hauptsächlich auch die Kindern trifft das sind Verbrennung weil man mit offenem Feuer kocht oder im Winter Laternen, Kerasinlaternen explodieren sodass sehr viel verbrennung sind die vorort in der erst Versorgung nicht gut versorgt werden dementsprechend verschmutzen und dann auch vereitern das ist sehr beklagenswert .“
Jedoch gab es zu Beginn ihrer Tätigkeit Probleme mit dem Personal, es ist leicht ein Gebäude hinzustellen aber es ist umso schwerer qualifiziertes Personal zu finden um den Betrieb zu gewährleisten.
Frau Schefter: „Und da kommt dazu: es gibt keinen Titelschutz. Jeder wird Arzt genannt. Also Doktor auch wenn er nur ein Kurs von 4 Wochen gemacht hat heißt er schon Doktor oder wer auch eine Spritzt piekt. Die sind sich nicht über die Konsequenzen im Klaren. Das ist kein professionelles Spritzen. Eine Injektion geben oder eine Infusion anlegen. Das ist alles nicht professionell aber sie heißen schon Doktor. Aber die Landbevölkerung nimmt das natürlich in Anspruch, weil es nichts anderes gibt. Mir selber wurde das angeboten. Wir hatten eine Stelle frei. Ich sollte doch den Doktor einstellen. Stellte sich raus das war gar kein Doktor. Der eine war ein älterer Gesundheitserzieher und der andere war Krankenpfleger. Also da muss man wirklich nachhaken.“
Die Qualität des Krankenhauses hat sich mittlerweile in ganz Afghanistan rumgesprochen in den Jahren seit 1994 wurden rd. 550.000 ambulante und stationäre Patienten im Hospital betreut, 70% davon waren Frauen und Kinder. Zusätzlich werden ca. 80.000 Impfungen Jahr verabreicht. Das Einzugsgebiet reicht bis nach Kabul und z.T. über die Nachbarprovinzen hinaus.
Frau Schefter: „Geimpft wird gegen Kinderlähmung, Masern und Tetanus. Aber das zeigt wieder das Krieg nur zerstörend wirkt. In ganz Afghanistan war die Kinderlähmung schon ausgerottet. Aber im Süden in den seit längeren bestehenden Hauptkampfgebieten wo auch Extremisten,Terroristen gerade von Pakistan kommen haben wieder die Kinderlähmung eingeschleppt und zwar aus den Gründen dass in diesen Gegenden während der Kampfzeiten keine Impfkampagnen durchgeführt werden können. Insofern ist da das wieder zunichte gemacht oder wurde Kinderlähmung wieder eingeschleppt worden.“
Das Thema Gesundheit ist stark mit der Sicherheitslage verworben wird immer wieder in der Diskussion zur öffentlichen Gesundheit in Afghanistan gesagt. Jedoch kann man nach Meinung von Frau Schefter nicht durch militärisches Vorgehen die Menschen gewinnen. Köpfe und Herzen der Afghanen fliegen der selbstlos agierenden leitenden OP-Krankenschwester in Afghanistan nur so zu. Das Argument, dass die Region südlich von Kabul nicht sicher genug sei, um dort Entwicklungshilfe zu betreiben, ist zu weit gegriffen. Dort wird nämlich statt Wiederaufbauhilfe zu betreiben, militärisch hart durchgegriffen. Dies wiederum führt in einen Teufelskreislauf, der nur durch Friedensarbeit durchbrochen werden kann.
Frau Schefter: „ So bedeutet das meiner Meinung nach militärische Eingriffe grundsätzlich nur Zerstörung und wenn man dann von Aufbau redet kann überhaupt keine Rede sein. Also das bedeutet eigentlich nur Zerstörung. Während die humanitäre Hilfeleistungen auf immer in welchem Gebiet sei es im Bildungswesen oder Gesundheitswesen oder sonstwo. Das ist eigentlich der praktizierte Frieden.“
Praktizierter Frieden ist zur Lebensaufgabe von Karla Schefter geworden. Die starke Frau von Chak e Wardak ist fest davon überzeugt, dass nur praktizierte Menschlichkeit, Gesundheitshilfe Afghanistan dazu bringt, den 30jährigen Dauerkonflikt beizulegen und Frieden in einem schwierigen und undurchschaubaren Konflikt zu ermöglichen. Von Ihren Erlebnissen in Afghanistan hat Karla einen Buch geschrieben mit den Titel: „Weil es um die Menschen geht“.
Brekhna Saber, Königswinter, September 2009
















